Umgang mit Informationen
Umgang mit Informationen, Nachrichten und Botschaften anderer
Wir leben seit Jahrzehnten im Informationszeitalter. Es ist eine immense, unüberschaubare Flut von gewählten oder ungewollten Infos verfügbar. Und diese Flut strömt an jeder Straßenecke, mit jedem Blick, mit jeder Nutzung deines digitalen Geräts auf dich ein. Auch wenn dir eine Bekannte, ein Kollege, ein Nachbar oder eine Partnerin etwas erzählt.
Wie geht es dir damit? Bist du bewusst und selbstfürsorglich bei der Sache?
Genau das wird seit Jahrzehnten immer schwieriger, da ganze Heerscharen von Profis, Nachrichten-, Gamification- und IT-Experten und Psycholog*innen auf der Seite der Betreiber*innen sitzen. Denen geht es meistens einzig und allein um Folgendes: Klicks, Quote, Verweildauer, kostenpflichtige Upgrades, Kaufentscheidungen, Kundenbindungen, Vertragsabschlüsse und Unmengen an Daten der Nutzer*innen sowie Bewegungs- und Kaufverhalten sammeln, auswerten und verkaufen. Wozu? Für Gewinnmaximierung, noch mehr Geld, Macht und Kontrolle für sie. Die allerwenigsten Menschen, Medien und Unternehmen betreiben ihre Aktivitäten, weil sie Samariter sind, so sozial, freigiebig und menschenfreundlich, dass sie etwas zu verschenken haben.
Oder warum glaubst du, gibt es deine „kostenlose“ Lieblings-Supermarktketten-App oder deine Angebots- und Geld-Zurück-App mit vielen Verlosungen, „Präsenten“ und Preisnachlässen? Weil sie dich lieben, ehren und beschenken wollen?
Auch wenn dir privat oder beruflich jemand persönlich etwas erzählt, hat dieser Mensch bestimmte Gründe dafür, mit denen er oder sie sich selbst (unbewusst) Bedürfnisse erfüllen möchte. Die können herzlicher, integrer Natur sein oder ergebnis-, ego- oder machtgetrieben.
Mach dir bitte bewusst: Jede*r, der eine Info, einen Hack, einen Tipp, ein Video, ein Foto, eine KI-Ausgabe oder eine Nachricht veröffentlicht – egal ob Social-Media-Kanal-Betreiber*in oder Nachrichtensender – wählt aus den Millionen Ereignissen, die es täglich auf der Welt gibt, eine winzig kleine Auswahl an Nachrichten und Infos aus. (Frage: Ist das Manipulation oder schon Zensur?) Wozu? Für Klicks, Quote, Verweildauer, Bindung, Käufe und um deine Daten zu sammeln und zu verkaufen. Und gleichzeitig, um Nutzer- und Zuschauerbedürfnisse zu befriedigen oder zu erzeugen. Für noch mehr Geld und Macht.
Und nun?
Wie bei so vielen Sachen im Leben ist es ganz einfach: Beobachte, wie du dich damit fühlst. Dann triff eine Entscheidung. Wenn nur die unterschiedlichen Ratgeber*innen und unbewussten „Stimmen“ in deinem Kopf nicht wären …
Mit anderen Worten: Wenn dir jemand etwas erzählt oder du eine Info erhältst, eine Botschaft, Werbung oder „die Nachrichten“ siehst, beobachte, wie es dir damit geht. Dann triff eine Entscheidung.
Der Grund: Dein Körper, deine Intuition, dein Herz, dein Bauchgefühl (oder wie auch immer du es nennen magst) kennt deine Wahrheit beziehungsweise das, was jetzt für dich stimmig ist. Oft noch vor deinem Kopf.
Wenn du also von jemandem etwas hörst, eine Info erhältst oder Nachrichten siehst, und du dich …
… leicht, verbunden, stimmig, freudevoll, neugierig, klar, erhoben oder energiereich fühlst: Bleib dabei, hör weiter zu, folge dem, bleib in Kontakt, mach es und so weiter. Der Grund: Du bist vermutlich stimmig mit dir verbunden, mit deiner Wahrnehmung, deiner Selbstfürsorge und deiner Lebendigkeit.
… schwer, gestresst, getrennt, blockiert, wütend, ängstlich, traurig, hilflos oder angespannt fühlst: Verändere aktiv etwas an der Situation. Warum? Du bist vermutlich nicht (mehr) stimmig mit dir, deiner Mitte und deiner lebendigen Energie verbunden. Wenn du jetzt etwas an der Situation veränderst, ist das hilfreiche Selbstfürsorge. Was kannst du tun? Zum Beispiel: Bitte um eine Pause oder einen Themenwechsel, sag, wie es dir geht, geh aus der Situation raus, schalte ab, was auch immer du gerade siehst. Danach: Sorge für dich und deine Selbstregulation. Seufzen, ächzen, stöhnen, tief und fließend durchatmen, Schultern, Arme und Körper lockern, schütteln. Trink etwas Wasser. Lass eine Minute oder ein paar Minuten vergehen …
Erst wenn du dich ein wenig gelöst hast, wieder einige klare Gedanken fassen und deinem Herzen oder Bauch für eine Entscheidung lauschen kannst, dann tu etwas.
Das braucht Selbstwahrnehmung, Mut und Entschiedenheit.
Denn Milliarden Menschen folgen in Gedanken und Taten dem Mainstream-Bewusstsein der Masse. Das heißt, sie sind angepasst, tun oft das, was andere tun, sagen oder wollen (und merken all das nicht einmal).
Wenn jetzt jemand kommt, der das anders macht und sagt: „Halt, stopp mal, ich spüre kurz rein, wie es mir damit geht …“, dann wird es vielleicht seltsam und ungemütlich. Oder du wirst schief angeguckt, das könnte sein. Kommt auf die Gesellschaft an, in der du dich befindest.
Ich wünsche dir mehr und mehr Innehalten und Reinspüren. Ich wünsche dir mehr und mehr Du-selbst-Sein, Wachheit, Klarheit, Mut und bewusste eigene Herz- und Bauch-Entscheidungen. Für mehr Lebensfreude, Leichtigkeit und empathische Verbundenheit – mit dir … und anderen.
Herzliche Grüße,
Arndt
Trainer für Stimme und Körpersprache, Kommunikationscoach, Fachbuchautor, Trainer für Konfliktklärung (GFK), Schauspieler, Sprecher, Regisseur. Arndt Schwichtenberg lebt und arbeitet in Hannover.