Gut allein klarkommen – die Basis für eine gute Beziehung

Komm gut mit dir alleine klar, dann kommst du auch gut in einer Beziehung klar

„Wenn du gut mit dir allein (und deinem Alleinsein) klarkommst, kommst du auch gut in einer Paarbeziehung klar.“
„Sorge gut für dich, dann kannst du auch gut für andere sorgen.“

Kennst du diese oder ähnliche Weisheiten? Meinst du, da ist etwas dran? Wenn ja, warum ist das so – und wie geht das?

Exkurs: Bedürfnisse und Strategien – wieso, weshalb, warum?

Wir alle haben (1.) den ganzen Tag Bedürfnisse (das, was wir uns wünschen). Das sind Oberthemen wie Freude, Leichtigkeit, Verbindung, gehört werden und Unterstützung; große Dinge wie Sinn, Freiheit, Sicherheit, Schutz, Liebe oder Wertschätzung; und anderes wie Klarheit, Austausch, Ruhe, Erholung und Selbstfürsorge, um nur ein paar zu nennen. Das sind Worte für Bedürfnisse, die wir alle mehr oder weniger kennen, die meisten davon teilen und uns auch wünschen.

Und dann gibt es (2.) noch Strategien: Das sind die individuellen Aktivitäten, die wir den ganzen Tag unternehmen, um uns diese Bedürfnisse zu erfüllen. Oder wir wünschen uns, sie mögen uns von jemand anderem erfüllt werden.

Was oft einen Stolperstein darstellt

Wir haben eine ganz bestimmte Person im Blick, die mein ganz bestimmtes Bedürfnis auf eine ganz bestimmte Art (nämlich mit meiner bevorzugten Strategie) erfüllen „soll“. Nochmal: Ein Mensch, auf eine Art – das macht den Fokus eng und „den Weg der Möglichkeiten“ schmal. Das schafft eine (unbewusste) Erwartungshaltung, macht vielleicht Druck und erhöht die Chance auf Frustration. Denn vielleicht tut dieser Mensch das nicht. Was ja sein Raum, seine Entscheidung ist.

Exkurs Ende.

Wie war die Frage? Alleinsein leben, vielleicht sogar genießen können; durch Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorge in Freude, Fülle und Lebendigkeit kommen.

Die Antwort als Kurzversion lautet

  • Lerne selbst deine Bedürfnisse kennen und mach sie dir bewusst.
  • Übe und lerne, sie dir auch selbst (und allein) zu erfüllen.
  • Folge: Du bist im Bereich der Selbstwahrnehmung, -wertschätzung und -wirksamkeit. Du kreierst Fülle.

Klingt vielleicht leicht und verständlich – und ist gleichzeitig die größte Herausforderung für die meisten Menschen. Denn…

Andersrum: Wenn du dir wünschst, dieser oder jener Wunsch und dieses Bedürfnis möge von deiner Partnerin erfüllt werden (und zwar genau so, wie du dir das vorstellst), bist du abhängig von deren Bereitschaft, Aktivität und Umsetzungsfähigkeit. Denn Bedürfnisse zu erfüllen ist immer freiwillig, ein Geschenk und nicht „ihr Job“.

„Ja, aber …“

Viele erwarten genau das jedoch automatisch, wenn sie in eine Paarbeziehung gehen. (Ich auch, lange Zeit.) Folge: Erwartungshaltung aus einem (unbewussten) Mangelempfinden heraus. „Erfülle mir meine Bedürfnisse, und zwar am besten genau so, wie ich mir das wünsche.“ Nächste Folge: Abhängigkeit vom Handeln oder Nicht-Handeln des anderen. „Mach mich glücklich.“ – „Ich werde glücklich, wenn du das und das tust … (und das und das nicht lässt).“

Es ist nicht der Job deiner Partnerin, deines Partners. Ihr Job ist es, sich um sich und die Erfüllung ihrer Bedürfnisse zu kümmern. Dein Job ist es, dich um dich, deine Bedürfnisse und deren Erfüllung zu kümmern. Leichter gesagt als getan. Ich weiß das aus eigenem Erleben.

„Das, was du ausstrahlst, weil du es (unbewusst) lebst, ziehst du an.“

Das hieße nun für dieses Beispiel: Sorgst du gut für dich, weißt, was du willst, kannst es dir erfüllen und erschaffst Dankbarkeit und Fülle, dann erkennst du Menschen, die dies auch tun – und ziehst Menschen an, die ebenfalls dankbar und mit Fülle leben.

Andersherum: Lebst du (unbewusst) mit deiner Bedürfnis-Mangel-Auffüllungs-Erwartung, wirst du einen ebensolchen Menschen anziehen …

Zwischenfrage: Wie fühlst du dich, wenn du dies liest und dich davon bewegen lässt?

Wie geht denn das nun – „gut für sich sorgen“, fürsorglich mit sich allein klarkommen?

Tue das, was dir Freude bereitet. So oft du kannst. Allein. Im Alltag, am Wochenende, im Urlaub, beim Einkaufen, am See, abends, nachts, morgens, immer … So einfach gesagt, so herausfordernd umgesetzt, oder?

Da meldet sich jetzt vielleicht der innere Antreiber, Kritiker oder Ordnungshüter – oder „einfach nur das innere Schweinehuhn“. „Boah, das ist mir zu anstrengend.“ Und zu langweilig und überhaupt.

Ja, vielleicht hast du erst mal (wie ich) mit tiefsitzenden Gewohnheiten zu tun: jahrelang immer alles zu zweit gemacht, immer in Be-Ziehung sein, dich immer auf dein Gegenüber bezogen. Allermeistens (unbewusst) Erwartungen gehabt und vielleicht sogar mehr oder weniger leicht erfüllt bekommen …

Übung

Nimm dir 10 Minuten Zeit, nur du, in Ruhe. Löse die Schultern, atme drei Mal tief durch, schließe die Augen halb, so in „dösiger Stellung“, und frage dein Herz und deine liebevolle Intuition: Was mag ich gerne? Was mache ich gerne? Was wollte ich schon immer mal machen und habe es bisher vor mir hergeschoben?

Lass dir Zeit. Atme. Wenn du das bisher gar nicht oder noch nicht so oft gemacht hast, brauchen das Einlassen, das Aufs-Herz-Hören und Geduld ihre Zeit.

Dein Kopf und deine inneren Ordnungshüter sprechen vielleicht laut. „Das Herz spricht beharrlich, aber leise.“ (Robert Betz)

Fang klein an mit deiner Liste …

Vielleicht ist es all das, was du vormals zu zweit gemacht hast? Allein spazieren, Alltag allein, allein einkaufen, allein kochen, allein essen, allein im Bett, mit Thermoskanne an der ruhigen Stelle am See sitzen, auf der Party, allein zur geplanten, schönen Fortbildung, Massage, im Garten, im Urlaub, Klavier spielen, zu Lieblingsmusik shaken in der Wohnung, Freunde treffen, dein Buch lesen, ins Kino, den tollen Ratgeber-Podcast hören … und so weiter.

Übe geduldig

Erinnere dich immer wieder liebevoll: Du tust das für dich, du gewöhnst dich um. Selbstfürsorge, das braucht Zeit. Tage, Wochen, Monate. Vielleicht kommt Trauer, Verzweiflung oder Frust hoch, und anderes mehr. Ja, das darf sein. Macht keinen Spaß – und darf sein. Das bist auch du.

Gemeinsam

Triff dich als Mann vertrauensvoll auch mal mit anderen Männern und sprich darüber. Als Frau mit Frauen. Vielleicht willst du dir professionelle Begleitung als Unterstützung holen? Das ergibt Sinn.

Ich weiß das, denn ich mache das gerade selbst in diesem Ausmaß zum ersten Mal in meinem Leben durch. Ich bin aktuell bei anderthalb Jahren, in denen ich Selbstfürsorge und Selbstwirksamkeit übe. Allein. Ohne Partnerschaft. Und ganz langsam wache ich auf. Ganz langsam wächst in meinem Leben die Erfahrung: Ich kann ganz vieles auch allein. Und das eine und das andere kann ich auch manchmal schon genießen …

Wenn du darüber sprechen willst, melde dich. Wenn du professionelle, wertschätzende Begleitung, Reflexion, Rat und Übungen wünschst, melde dich gerne. Jetzt Kontakt aufnehmen

Herzliche Grüße,
Arndt