Selbstsabotage erkennen und überwinden – ein Praxisbeispiel aus dem Mentaltraining
Werde aufmerksam für deine Selbstsabotage
Bist du im Hier & Jetzt mit deiner Selbstwahrnehmung? Oder bist du dabei, dich durch die Visualisierung eines alten Musters, eines alten Traumas bzw. Glaubenssatzes selbst zu sabotieren?
Worum geht’s?
Ich habe aktuell einen Klienten im Einzeltraining, der sich Selbstwahrnehmung, rhetorische Stärkung, Klarheit sowie kreative, selbstbewusste Reaktionen wünscht, bei Menschen, die ihn ungefragt, zu laut oder zu unfreundlich ansprechen. Zum Beispiel Kollegen, Eltern, Geschwister oder Ex-Partner. Und das kommt wohl regelmäßig bei ihm vor. Nebenbei bemerkt: Ich kenne diese Kommunikationszusammenstöße aus eigener Erfahrung. Das hilft mir, ihn zu verstehen und individuell in Theorie und vor allem Praxis auf sein Anliegen einzugehen.
Hilfreiche Fähigkeiten
Dankenswerterweise verfügt er über Offenheit, Bewusstheit, eine klare Selbstreflexion und eine bemerkenswerte Bereitschaft zur Selbstehrlichkeit – auch in seiner mentalen und emotionalen Selbstwahrnehmung. Und immer wieder den Mut, auch für ihn unangenehme Übungen im 1:1-Training auszuprobieren. Das macht das gemeinsame Training lebendig, proaktiv und gegenseitig, und nahezu sofort überprüfbar, wie es ihm geht, was er braucht, und ob und wie wir im nächsten Schritt weitermachen können.
Ein Thema, das neben aller positiven Einflussnahme auf sich selbst regelmäßig im Training auftaucht, ist seine Selbstsabotage.
Was meine ich damit? Ein Exkurs zum inneren Team.
Das Thema hängt mit einem Arbeitsbereich des Mentaltrainings und der Selbstwahrnehmung zusammen, den ich Innere-Team-Arbeit nenne. Innerhalb dieser meldet sich zum Beispiel eine von vielen Seiten dieses inneren Teams: das sogenannte innere Schmerz-Kind. Das sind eher unbewusste, mentale Anteile in uns, die sich meistens zu Wort melden, wenn wir getriggert, gestresst oder aus dem Gleichgewicht gebracht werden. Ich behaupte, diese und weitere Anteile sind in jedem von uns – meist unbewusst – lebendig, auch in mir.
Salopp gesagt bequatschen uns diese Mitglieder des inneren Teams den ganzen Tag: „Tu lieber dies.“ „Lass besser das.“ „Meinst du wirklich, dass du das schaffst?“ „Guck dir mal diesen Idioten an.“ Und so weiter. Kennst du das? Ich ja. Dabei wollen sie uns alle eigentlich nur helfen. Aus ihren jeweils unterschiedlichen Blickwinkeln, Bedürfnissen und Strategien.
Zurück zum Klienten
Der Klient bringt seine Fallbeispiele mit – von unangenehmen Situationen und Konflikten, die wir individuell und pragmatisch mit verschiedenen Methoden beleuchten, bearbeiten und beginnen zu transformieren. Begleitend dazu gibt es Basisübungen zur Selbstregulation und Selbststärkung von Haltung, Körperspannung, Stimme, Sprechen, Atmung, Ausdruck und Rhetorik.
Beispiel aus dem Praxistraining
Wir beginnen mit Lockerungsübungen von Schulter, Bauch, Zwerchfell und Kiefer, um in die Basisübungen von Haltung, Atmung und Stimmkraft einzusteigen. Nun passierte schon mehrere Male folgendes Phänomen: Ich frage zwischendurch immer wieder meine Klienten, wie es ihnen geht – ganz allgemein sowie auch bei speziellen Übungen, um in Verbindung zu bleiben und sie aufbauend begleiten zu können.
Wir stehen uns also gegenüber, ich leite Lockerungsübungen an, mache selbst mit und frage, wie es geht. Es kommt: „Ja, Scham kommt auf.“ Ich frage nach, was es damit auf sich hat. „Jaaa, ungewohnte Übungen, das sieht vielleicht blöd aus.“ – „Ungewohnt glaube ich sofort, ist ja neu, wir gehen es langsam und Schritt für Schritt an. Ich erkläre dir, wozu die Übungen gut sind. Ok?“ – „Ok.“ – „Und wer sagt, dass das vielleicht blöd aussieht?“ – „Du guckst zu.“ – „Ja, das stimmt. Ich mache selbst auch mit und mache es dir vor. Ich kann auch kurz die Augen zumachen – kein Scherz. Und: Ich kann dir versichern, ich schaue wertfrei. Warum? Ich mache diese Übungen schon seit 30 Jahren und habe in meiner Laufbahn als Schauspieler und Trainer nahezu alle ungewohnten Situationen gesehen, die man sich nur vorstellen kann.“ – „Mh.“ –
Und jetzt kommt’s: „Außerdem hat mich mein jüngerer Bruder schon oft so blöd angeguckt und dumme Sprüche gemacht.“
Jetzt sind wir am Kern der Sache angelangt – am Trigger, am Auslöser, an der Ursache. Danke, Klient. Das meine ich ganz direkt: Danke für den Mut, diese alte, schmerzhafte Wahrheit wahrzunehmen und auszusprechen. Nun kann der Annahme- und Transformationsprozess beginnen.
Was ist geschehen?
Der Klient ist während einer Übung – als erwachsener Mann im Jahr 2026 – aus dem Hier & Jetzt gerutscht. Ein altes Mitglied seines inneren Teams, sein Schmerzkind aus der Vergangenheit, hat sich gemeldet und ihn getriggert. Das alles passiert in einer Sekunde und meist unbewusst. Damals, zu der Zeit als das Muster entstanden ist, hatte es einen wichtigen Grund. Diese Zusammenhänge können wir an anderer Stelle weiter beleuchten.
Nun hat er es bemerkt. Nun kommt er wieder ins Hier & Jetzt. Nun hat er die Gelegenheit, mit Geduld, Beharrlichkeit, Entschiedenheit und Mut das Zepter vom Schmerzkind wieder zu übernehmen – als erwachsener Mann im Jahr 2026.
Was dann geschehen ist und wie genau wir das angegangen sind, berichte ich dir gerne im nächsten Blog oder persönlich in deiner Kennenlern-Einheit im Einzeltraining.
Wenn du selbst an dein stress- und konfliktbehaftetes Thema heranwillst, melde dich gerne für eine erste kostenlose Beratung am Telefon oder per Zoom. Jetzt Kontakt aufnehmen Ich begleite dich wertschätzend und individuell mit praktischen Übungen beim Reflektieren, Aufdecken, Annehmen und Transformieren von Selbstsabotage. Für mehr Klarheit, Leichtigkeit, Stärke, Wirksamkeit und Freude.
Herzliche Grüße,
Arndt
Trainer für Stimme und Körpersprache, Kommunikationscoach, Fachbuchautor, Trainer für Konfliktklärung (GFK), Schauspieler, Sprecher, Regisseur. Arndt Schwichtenberg lebt und arbeitet in Hannover.